Einleitung

Nasse Kellermauern und feuchtes Mauerwerk gefährden die Bausubstanz erheblich und mindern die Nutzbarkeit von Räumen. Oftmals ist eine Sanierung von außen die erste Wahl, doch nicht immer lassen die baulichen Gegebenheiten eine Freilegung des Erdreichs zu. Genau in diesen Fällen rückt die Innenabdichtung feuchter Räume als unverzichtbare Alternative in den Fokus. Durch den Einsatz moderner Systeme und Methoden zur fachgerechten Sanierung können betroffene Flächen auch von der Raumseite aus effektiv gegen eindringendes Wasser geschützt werden. Dabei handelt es sich um anspruchsvolle bauphysikalische Eingriffe, die einer präzisen Planung bedürfen. Die negativen Feuchtigkeitsbelastungen erfordern spezielle mineralische Dichtschlämmen, die dem Wasserdruck standhalten. Gleichzeitig müssen flankierende Maßnahmen wie Innendämmungen und Horizontalsperren greifen, um Kondensatschäden oder eine Verlagerung der Feuchtigkeit in andere Bauteile abzuwenden. Eine detaillierte Diagnose der Ursachen bildet stets das Fundament für ein nachhaltig funktionierendes Abdichtungskonzept.

Wann ist die Wandabdichtung innen die richtige Wahl?

Eine Bauwerksabdichtung von der Innenseite wird immer dann relevant, wenn der direkte Zugang zur erdberührten Außenwand verwehrt bleibt. Die Entscheidung für dieses Vorgehen basiert auf einer strengen Abwägung bautechnischer und wirtschaftlicher Faktoren. Im Gegensatz zur klassischen Positivabdichtung, bei der das Wasser das Dichtungsmaterial an die Wand drückt, wirkt hier der Wasserdruck von außen gegen die aufgebrachte Schicht. Dies erfordert Materialien mit extrem hoher Haftzugfestigkeit. Die Beurteilung der Machbarkeit obliegt spezialisierten Fachkräften, da die bauphysikalischen Veränderungen des Mauerwerks weitreichend sind. Durch das Absperren der Feuchtigkeit an der Rauminnenseite verbleibt die Nässe dauerhaft in der Konstruktion. Dies führt zu einer Auskühlung der Wandquerschnitte, was wiederum das thermische Verhalten des gesamten Gebäudes beeinflusst. Planer müssen daher zwingend evaluieren, ob das historische oder bestehende Mauerwerk diesen veränderten Bedingungen, insbesondere im Hinblick auf Frostsicherheit im Winterfall, standhalten kann. Die Methode ist hochwirksam, um Nutzflächen im Untergeschoss trocken zu legen und die Raumhygiene wiederherzustellen. Sie verlangt jedoch ein ganzheitliches Verständnis der Gebäudestruktur, da isolierte Maßnahmen ohne begleitende Konzepte für das Raumklima das Risiko von Folgeschäden bergen. Die korrekte Indikationsstellung ist der wichtigste Schritt vor Beginn jeglicher Arbeiten.

Technische und wirtschaftliche Grenzen der Außenabdichtung

Die Freilegung von Grundmauern scheitert in der Praxis häufig an unüberwindbaren physischen Barrieren. Dichte Grenzbebauungen, wertvolle Außenanlagen, angrenzende Garagen oder asphaltierte Flächen machen Erdarbeiten oft unmöglich oder extrem kostenintensiv. Auch der Denkmalschutz verbietet in vielen Fällen schwerwiegende Eingriffe in das äußere Erscheinungsbild oder die historische Bausubstanz. Unter diesen Umständen greift das Prinzip der negativen Abdichtung (Negative Abdichtung: Ein Verfahren, bei dem die Dichtebene auf der wasserabgewandten Seite des Bauteils aufgetragen wird). Dabei drückt das ins Mauerwerk eingedrungene Wasser die Abdichtungsebene theoretisch in den Raum hinein. Moderne mineralische Systeme sind jedoch exakt dafür entwickelt worden, diesen entgegengesetzten Kräften dauerhaft zu widerstehen und eine wasserundurchlässige Barriere direkt auf der Innenseite der Wand zu bilden.

Bauphysikalische Konsequenzen: Verschiebung des Taupunkts

Wird eine Wand von innen abgedichtet, durchfeuchtet der äußere Querschnitt des Mauerwerks weiterhin ungehindert. Wasser leitet Wärme deutlich besser als Luft, wodurch die betroffene Wand massiv an Dämmwirkung verliert und dauerhaft kühl bleibt. Diese kühle Oberfläche verschiebt den Taupunkt (Taupunkt: Die Temperatur, bei der die Luftfeuchtigkeit kondensiert und sich als Wasser auf kalten Oberflächen niederschlägt) weiter nach innen. Ohne eine angemessene thermische Entkopplung besteht höchste Gefahr, dass sich Raumluftfeuchte an der frisch abgedichteten, aber kalten Wand als Oberflächenkondensat niederschlägt. Eine rein abdichtende Maßnahme löst somit das Problem des eindringenden Wassers, erschafft aber ein neues bauphysikalisches Risiko durch Kondensation. Daher muss die Planung zwingend Konzepte zur Wärmebrückenvermeidung und zur Erhöhung der raumseitigen Oberflächentemperatur beinhalten.

Vorbereitende Maßnahmen für eine erfolgreiche Sanierung

Vor der Applikation jeglicher Sperrschichten ist eine präzise Bestandsaufnahme der Bausubstanz und des Feuchtehaushalts unerlässlich. Die Wirksamkeit der Systeme hängt maßgeblich davon ab, dass die Vorarbeiten akkurat und auf die spezifische Schadensursache abgestimmt erfolgen. Eine pauschale Vorgehensweise existiert in der Altbausanierung nicht, da die Beschaffenheit von Fugen, Mörtel und Gesteinsarten stark variiert. Zunächst muss die Art der Wasserbelastung zweifelsfrei identifiziert werden. Die maßgeblichen Regelwerke geben hierfür klare Parameter vor, nach denen sich die Materialauswahl richtet. Drückendes Wasser erfordert gänzlich andere Schichtstärken und Materialkombinationen als reine Bodenfeuchte. Nach der Diagnose folgt die mechanische Vorbereitung des Untergrunds. Jegliche trennenden Schichten, wie alte Farbanstriche, Gipsputze oder lose Fugenbestandteile, müssen restlos entfernt werden, bis der tragfähige Kern des Mauerwerks freiliegt. Die Herstellung eines homogenen und haftfähigen Untergrunds ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die mineralischen Dichtschlämmen später eine unlösbare Verbindung mit der Wand eingehen können. Zudem müssen geometrische Schwachstellen, insbesondere die Übergänge zwischen verschiedenen Bauteilen, durch spezielle Profilierungen entschärft werden, um spätere Rissbildungen durch bauliche Bewegungen sicher zu vermeiden. Jeder Arbeitsschritt in dieser Phase legt den Grundstein für die langfristige Funktionalität und Dichtigkeit des gesamten Systems.

Diagnose: Drückendes Wasser vs. Kapillarfeuchte

Die exakte Ermittlung der Wassereinwirkungsklasse nach aktuellen bautechnischen Vorgaben steht am Anfang jeder Maßnahme. Es muss klar unterschieden werden, ob temporär stauendes Sickerwasser, drückendes Grundwasser oder aufsteigende Feuchtigkeit vorliegt. Eine Verwechslung dieser Mechanismen führt unweigerlich zum Versagen des Sanierungskonzepts. Besonders tückisch ist die Kapillarfeuchte (Kapillarfeuchte: Feuchtigkeit, die durch feine Poren im Baustoff entgegen der Schwerkraft nach oben gesaugt wird). Während drückendes Wasser lateral durch die Wand presst, steigt kapillares Wasser vertikal im Mauerwerksgefüge auf. Die genaue Differenzierung der Schadensbilder, häufig unterstützt durch Feuchtemessungen und Salzanalysen, diktiert die anschließende Wahl der passenden Abdichtungssysteme. Nur wer die Antriebskräfte des Wassers versteht, kann wirksame Barrieren planen.

Fachgerechte Untergrundvorbereitung

Der erste handwerkliche Schritt besteht im vollständigen Abschlagen alter, feuchtegeschädigter Putze. Dies muss zwingend bis mindestens 80 Zentimeter über der sichtbaren Schadensgrenze erfolgen, um verdeckte Feuchtigkeitsnester zu erfassen. Mürbe Fugen werden tief ausgekratzt und die gesamte Fläche mechanisch gereinigt. Anschließend erfolgt die Egalisierung des unebenen Mauerwerks durch einen mineralischen Sperrputz, der Hohlräume schließt und eine plane Basis für die spätere Abdichtung schafft. Am hochgradig rissgefährdeten Wand-Boden-Anschluss ist die Herstellung einer Hohlkehle (Hohlkehle: Eine abgerundete Mörtelschicht im Übergang zwischen Wand und Boden, die Spannungsrisse sicher verhindert) obligatorisch. Diese Profilierung baut statische Spannungen zwischen der horizontalen Bodenplatte und der vertikalen Wand ab und garantiert einen nahtlosen Übergang der Dichtebene.

Bewährte Abdichtungssysteme im Detail

Die dauerhafte Funktion einer Innensanierung basiert auf dem Zusammenspiel exakt aufeinander abgestimmter Produktkomponenten. Moderne Systeme verlassen sich nicht auf eine einzige Barriereschicht, sondern kombinieren physikalische Abdichtungen mit feuchteregulierenden Ebenen. Den Kern bildet stets eine Beschichtung, die dem negativen Wasserdruck standhält und das flüssige Wasser am Eintritt in den Innenraum hindert. Da Feuchtigkeit in einem porösen Mauerwerk jedoch nicht nur horizontal von außen nach innen drückt, sondern sich auch vertikal ausbreitet, müssen flankierende Sperren in die Architektur des Mauerwerks integriert werden. Die Systeme sind so konzipiert, dass sie selbst bei schwierigen Untergründen wie historischem Ziegelmauerwerk oder Naturstein höchste funktionale Sicherheit bieten. Darüber hinaus spielt das Management von bauschädlichen Salzen eine gravierende Rolle. Im Wasser gelöste Nitrate, Chloride und Sulfate kristallisieren an der Oberfläche, vergrößern dabei ihr Volumen und zerstören herkömmliche Putze. Spezialisierte Sanierputze werden eingesetzt, um diesen Kristallisationsdruck aufzufangen, ohne dabei Schaden zu nehmen. Die Auswahl zwischen starren, flexiblen und injizierbaren Materialien obliegt der Fachplanung und richtet sich strikt nach der im Vorfeld bestimmten Feuchtebelastung. Nur durch die Kombination von Flächenabdichtung, Querschnittsabdichtung und Putzsystem entsteht ein robustes, langlebiges Gesamtkonstrukt, das den Raum nachhaltig schützt.

Mineralische Dichtschlämme als Herzstück der Abdichtung

Mineralische Dichtschlämmen bilden die primäre Barriere gegen seitlich eindringendes Wasser. Je nach Untergrund und statischen Anforderungen kommen starr aushärtende oder durch Kunststoffzusätze flexibilisierte Schlämmen zum Einsatz. Letztere können leichte Rissbildungen im Untergrund überbrücken. Die Verarbeitung erfolgt zwingend in mehreren Schichten im Kreuzgang, um eine absolut fehlstellenfreie Oberfläche zu garantieren. Die Schichtstärken sind dabei streng nach bautechnischen Vorgaben einzuhalten. Eine herausragende Eigenschaft dieser Materialien ist ihre extreme Haftzugfestigkeit (Haftzugfestigkeit: Ein Maß dafür, wie stark ein Material auf dem Untergrund haftet und Zugkräften standhält). Dadurch wird verhindert, dass die Schlämme durch den von hinten wirkenden Wasserdruck von der Wand abplatzt.

Die Horizontalsperre innen als flankierender Schutz

Eine vertikale Flächenabdichtung stoppt das Wasser zwar auf dem Weg in den Raum, zwingt es aber paradoxerweise dazu, innerhalb des Mauerwerks weiter nach oben zu steigen. Wenn Wasser im Mauerwerk kapillar aufsteigt, ist eine flankierende Querschnittsabdichtung unerlässlich, um höhergelegene, ungeschützte Stockwerke zu bewahren. Chemische Injektionsverfahren haben sich hierfür etabliert. Durch Bohrlöcher werden hochwirksame Cremes oder Flüssigkeiten auf Silan-Siloxan-Basis drucklos oder unter Druck in die Wand eingebracht. Diese hydrophobieren die Porenwände und unterbrechen den kapillaren Wassertransport dauerhaft. Die Horizontalsperre verhindert somit die unkontrollierte Ausbreitung der Restfeuchte innerhalb der Gebäudestruktur. Sie bildet den horizontalen Riegel, der das abgedichtete System im Kellergeschoss von den darüberliegenden, trockenen Wohnbereichen konsequent und sicher trennt.

Sanierputzsysteme (WTA) zur Feuchteregulierung

Oberhalb des Abdichtungsniveaus oder in Zonen mit geringer Restfeuchte übernehmen Sanierputzsysteme die Kontrolle über den Feuchtehaushalt. Sie fungieren oft als Opferschicht oder Salzeinlagerungsschicht. Durch ihr hohes Porenvolumen bieten sie bauschädlichen Salzen ausreichend Platz, um im Inneren des Putzes auszukristallisieren, ohne die Oberfläche abzusprengen. Eine weitere entscheidende Eigenschaft ist, dass sie porenhydrophob (Porenhydrophob: Wasserabweisende Eigenschaft der Poren, die flüssiges Wasser blockiert, aber Wasserdampf durchlässt) eingestellt sind. Dies verhindert das Durchschlagen von Salzausblühungen und nassen Flecken auf die Tapete oder den Farbanstrich. Das Mauerwerk kann durch den Putz hindurch in Form von Wasserdampf abtrocknen, während die sichtbare Wandoberfläche optisch makellos und trocken bleibt.

Bauphysikalisches Management: Kondensat und Wärmeschutz

Die erfolgreiche Absperrung von flüssigem Wasser ist nur der halbe Weg zu einem nutzbaren Raum. Die bauphysikalischen Begleiteffekte einer Innenabdichtung zwingen Planer zu weiteren Maßnahmen, um das Innenraumklima zu beherrschen. Da die abgedichtete Wand durch die fehlende Trocknungsmöglichkeit nach außen dauerhaft durchfeuchtet und somit kälter bleibt als zuvor, entsteht ein hohes Gefälle zwischen warmer Raumluft und kalter Wandoberfläche. Warme Luft bindet mehr Feuchtigkeit als kalte Luft. Trifft diese auf die abgekühlten, abgedichteten Mauerbereiche, fällt unweigerlich Tauwasser aus. Dieses Oberflächenkondensat ist die primäre Ursache für Feuchteschäden und mikrobiellen Befall, selbst wenn von außen kein flüssiges Wasser mehr eindringt. Um diesen physikalischen Prozess zu unterbinden, ist ein intelligentes Management von Wärme und Luftfeuchtigkeit zwingend vorgeschrieben. Dämmsysteme und Lüftungskonzepte müssen als untrennbarer Bestandteil der Sanierung betrachtet werden. Eine isolierte Betrachtung der reinen Wasserabwehr führt in den meisten historischen und auch jüngeren Gebäuden unweigerlich zu massiven Sekundärschäden an der Bausubstanz und gefährdet die Gesundheit der Nutzer durch Schimmelbildung. Das bauphysikalische Management gleicht die thermischen Defizite aus und sorgt für eine dauerhaft stabile, schadensfreie Raumumgebung, die allen Ansprüchen an die moderne Nutzung gerecht wird.

Notwendigkeit kapillaraktiver Innendämmsysteme

Um den Taupunkt zurück ins Mauerwerk zu verlagern und die Oberflächentemperatur der Wand zu erhöhen, wird auf der Dichtschlämme ein Innendämmsystem appliziert. Es haben sich vor allem Systeme bewährt, die kapillaraktiv (Kapillaraktiv: Die Fähigkeit eines Baustoffs, anfallendes Kondensat aufzusaugen und großflächig zur Verdunstung zu verteilen) arbeiten. Calciumsilikatplatten sind hierfür ein Paradebeispiel. Sie dämmen nicht nur, sondern dienen als massiver Feuchtepuffer. Sie nehmen überschüssige Luftfeuchtigkeit bei Spitzenbelastungen sicher auf und geben sie in trockeneren Phasen kontrolliert wieder an die Raumluft ab. So wird flüssiges Oberflächenkondensat vermieden und das Risiko eines mikrobiellen Befalls ohne den Einsatz von Dampfsperren, die hinterlaufen werden könnten, bauphysikalisch sicher gebannt.

Raumklima: Lüftungskonzepte nach der Innenabdichtung

Die besten Dämm- und Pufferungssysteme stoßen an ihre Grenzen, wenn die Grundfeuchte im Raum permanent zu hoch ist. Ein konsequentes Lüftungskonzept ist nach der Sanierung daher unerlässlich. Eine manuelle Fensterlüftung erfordert hohe Disziplin und ist in Kellerräumen oft fehleranfällig, da im Sommer warme, feuchte Außenluft an den kalten Kellerwänden zusätzlich kondensieren kann. Maschinelle Lüftungsanlagen mit intelligenter Taupunktsteuerung bieten hier höchste Sicherheit. Diese Systeme messen kontinuierlich die klimatischen Bedingungen innen sowie außen und tauschen die Luft vollautomatisch nur dann aus, wenn die zugeführte Außenluft tatsächlich trockener ist als die Raumluft. Dadurch wird der Feuchtehaushalt im sanierten Bereich konstant im sicheren Bereich gehalten, und die Bausubstanz bleibt dauerhaft vor tauwasserbedingten Folgeschäden geschützt.

Normen, WTA-Merkblätter und Haftungsrisiken

Bauwerksabdichtungen unterliegen strengen technischen Vorgaben, deren Einhaltung für die Langlebigkeit der Maßnahmen und die rechtliche Absicherung der Ausführenden essenziell ist. Die Konstruktion und Ausführung auf Basis von Erfahrungswerten allein reicht bei komplexen bauphysikalischen Eingriffen nicht aus. Regelwerke und anerkannte Regeln der Technik definieren detailliert, welche Materialkennwerte, Schichtdicken und Vorarbeiten bei bestimmten Lastfällen zwingend erforderlich sind. Abweichungen von diesen Vorgaben stellen nicht nur ein erhebliches technisches Risiko für den Erfolg der Trockenlegung dar, sondern bergen auch massive Haftungsrisiken für Architekten, Sachverständige und Handwerksbetriebe. Bei Bauschäden, die auf eine unsachgemäße oder normwidrige Planung zurückzuführen sind, wird das Vorgehen stets an den geltenden Merkblättern gespiegelt. Ein tiefgreifendes Verständnis der maßgeblichen Richtlinien schützt somit alle Projektbeteiligten vor rechtlichen Konsequenzen und sichert dem Bauherren ein handwerklich einwandfreies, funktionierendes Ergebnis zu. Fehler in der Ausführung zeigen sich oft erst Jahre nach Abschluss der Arbeiten, wenn Feuchtigkeit das System punktuell oder flächig durchbricht. Eine exakte Dokumentation aller Arbeitsschritte und verbrauchten Materialmengen gemäß den Vorgaben ist daher ein unverzichtbarer Bestandteil der Qualitätssicherung. Nur so lässt sich bei späteren Reklamationen zweifelsfrei nachweisen, dass die Sanierung feuchter Räume nach dem aktuellen Stand der Technik und vollumfänglich fachgerecht abgewickelt wurde.

Wichtige Regelwerke für Planer und Ausführende

Die Planung und Durchführung richtet sich nach etablierten brancheninternen Richtlinien. Eine zentrale Rolle spielt das Merkblatt 4-6 der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA: Ein Verband, der Richtlinien für die fachgerechte Erhaltung und Sanierung von historischen Bauten herausgibt). Es behandelt explizit das nachträgliche Abdichten erdberührter Bauteile und definiert die Anforderungen an mineralische Dichtschlämmen und Injektionsstoffe. Flankierend dazu gilt die DIN 18533 für die Abdichtung von erdberührten Bauteilen. Diese definiert die Wassereinwirkung und Rissklassen, was die Grundlage für die korrekte Dimensionierung der Sperrschichten bildet. Die Einhaltung beider Regelwerke garantiert einen normgerechten Bauablauf. Bauherren sollten in Ausschreibungen stets ausdrücklich fordern, dass die angebotenen Leistungen und verwendeten Systemkomponenten exakt diesen strengen technischen Richtlinien entsprechen.

Die häufigsten Ausführungsfehler

Trotz hochwertiger Materialsysteme scheitern Sanierungen häufig an handwerklichen Defiziten in der Umsetzung. Eine mangelhafte Hohlkehlenbildung am Wand-Boden-Anschluss führt zu Spannungsrissen, durch die Wasser sofort wieder in den Raum drückt. Ein weiterer gravierender Fehler ist die fehlende flankierende Horizontalsperre innen, wodurch das gestoppte Wasser unkontrolliert kapillar in die oberen Geschosse ausweicht. Auch die falsche Einhaltung von Trocknungszeiten zwischen den einzelnen Schichten der mineralischen Dichtschlämme mindert die Haftzugfestigkeit und Dichtigkeit drastisch. Werden zudem kapillaraktive Dämmplatten mit lufthaltigen Klebepatzen statt vollflächig verklebt, entsteht gefährliches Kondensat in den Hohlräumen. Präzision ist hier oberstes Gebot. Jede noch so kleine Fehlstelle im System wirkt wie ein Trichter für das drückende Wasser und macht die gesamten Bemühungen der Raumtrockenlegung letztendlich zunichte.

Zusammenfassung

Die fachgerechte Sanierung erdberührter Wände von der Raumseite aus ist ein komplexer, aber hochwirksamer Prozess, wenn Erdarbeiten ausgeschlossen sind. Den Kern dieses Vorhabens bilden spezielle mineralische Dichtschlämmen, die dem negativen Wasserdruck durch enorme Haftzugfestigkeit widerstehen. Da die Feuchtigkeit jedoch im Mauerwerk verbleibt, sind flankierende Schritte wie eine chemische Horizontalsperre zur Verhinderung aufsteigender Nässe zwingend erforderlich. Ein fundiertes bauphysikalisches Management durch kapillaraktive Innendämmsysteme und sensorgesteuerte Lüftungsanlagen sichert den Raum zudem gegen Kondensatschäden ab. Die strikte Einhaltung der geltenden technischen Richtlinien garantiert dabei eine langfristig trockene und bauschadensfreie Nutzung.

Planen Sie Ihre Sanierungsmaßnahme präzise und ziehen Sie bei der Beurteilung der Wassereinwirkungsklassen stets ausgewiesene Fachleute hinzu.

  • Eine detaillierte Schnittzeichnung durch eine erdberührte Kellerwand, die den Aufbau von außen nach innen zeigt: feuchtes Erdreich, durchfeuchtetes Mauerwerk, mineralische Dichtschlämme, Sanierputz und eine kapillaraktive Innendämmplatte.
  • Eine Nahaufnahme der Kellenführung in einem Altbaukeller, bei der am Wand-Boden-Anschluss fachgerecht eine abgerundete Mörtel-Hohlkehle geformt wird.
  • Ein Injektionsvorgang in eine Ziegelmauer, bei dem über Bohrlöcher knapp über dem Boden eine chemische Horizontalsperre mit speziellen Kartuschen in das Mauerwerk eingebracht wird.

Häufig gestelle Fragen (FAQ)

Kann die Innenabdichtung feuchte Räume dauerhaft trockenlegen, auch wenn die Wand außen nass bleibt?

Ja, eine fachgerechte Innenabdichtung verlagert die Feuchtigkeitsebene ins Mauerwerk. Der Innenraum wird zuverlässig trocken, das Mauerwerk dahinter bleibt jedoch nass. Dies muss statisch und frosttechnisch vorab bewertet werden.

Warum darf auf eine mineralische Dichtschlämme kein herkömmlicher Gipsputz aufgetragen werden?

Gips zieht Restfeuchte und Kondensat an, verliert seine Festigkeit und bietet Nährboden für Mikroorganismen. Es müssen zwingend feuchteresistente Putze verwendet werden, wie kalkbasierte Systeme oder spezielle Sanierputze.

Wann ist zusätzlich zur Flächenabdichtung zwingend eine Horizontalsperre innen nötig?

Immer dann, wenn das Mauerwerk Feuchtigkeit kapillar nach oben saugt. Die Flächenabdichtung stoppt das Wasser nur horizontal in den Raum hinein, hindert es aber nicht daran, in höherliegende, ungeschützte Stockwerke aufzusteigen.

Wie stark muss die Schichtdicke der mineralischen Dichtschlämme sein?

Nach bautechnischen Richtlinien richtet sich die Trockenschichtdicke nach der Wasserbelastung. Bei Bodenfeuchte genügen zumeist geringere Stärken, bei drückendem Wasser sind stärkere, mehrlagige Aufträge zwingend erforderlich.