Einleitung
Die Sanierung einer Bestandsimmobilie ist ein komplexes technisches Vorhaben, bei dem zahlreiche Gewerke ineinandergreifen müssen. Ein strukturiertes Vorgehen verhindert, dass fertiggestellte Bauteile durch nachfolgende Arbeiten beschädigt werden oder Trocknungszeiten den gesamten Baufortschritt blockieren. Besonders bei umfangreichen Modernisierungen, die tief in die Bausubstanz eingreifen, entscheidet die Chronologie über die Kosteneffizienz und die Langlebigkeit der Maßnahmen. Werden beispielsweise Fenster zu spät getauscht, leidet die neue Fassadendämmung. Wird der Estrich zu früh belegt, drohen Schimmel und Verzug. Dieser Leitfaden betrachtet die ideale Abfolge der Gewerke aus bautechnischer Sicht, beginnend bei der Baustelleneinrichtung über die Gebäudehülle bis hin zur Feininstallation. Ziel ist ein reibungsloser Bauablauf, der logistische Engpässe minimiert und die Qualität der Ausführung sicherstellt.
Warum die Reihenfolge bei der Hausrenovierung über das Budget entscheidet
Eine falsche Taktung der Bauphasen führt unweigerlich zu Mehrkosten und Bauverzögerungen. Im Hochbau gilt eine klare Hierarchie der Abhängigkeiten, die nicht willkürlich verändert werden kann, ohne technische Risiken einzugehen. Die Koordination der Handwerker muss sich zwingend an den physikalischen Gegebenheiten des Gebäudes orientieren. Werden Prozesse parallelisiert, die eigentlich sequenziell ablaufen müssten, entstehen sogenannte Kollisionspunkte. Diese Fehlerquellen zu identifizieren, bevor der erste Handwerker das Haus betritt, ist Aufgabe der Bauleitung oder der Bauherrenschaft in der Planungsphase.
Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung der Wechselwirkungen zwischen Feuchtigkeitseintrag und feuchtigkeitsempfindlichen Materialien. Viele Baustoffe benötigen definierte Ruhephasen, um ihre Endfestigkeit oder Ausgleichsfeuchte zu erreichen. Wird dieser chemische oder physikalische Prozess durch vorzeitige Weiterarbeit gestört, sind Mängel vorprogrammiert, die oft erst Jahre später sichtbar werden. Zudem spielt die Erreichbarkeit der Arbeitsbereiche eine Rolle: Grobe Arbeiten müssen abgeschlossen sein, bevor empfindliche Oberflächen eingebracht werden. Die Einhaltung der korrekten Reihenfolge ist somit nicht nur eine organisatorische Frage, sondern direkter Bautenschutz.
Das Prinzip „Außen vor Innen“
Die Grundregel jeder Sanierung lautet: Die Gebäudehülle muss dicht sein, bevor der Innenausbau beginnt. Dach und Fenster bilden die primäre Barriere gegen Witterungseinflüsse. Dringt während der Innenarbeiten Regenwasser oder Feuchtigkeit durch ein undichtes Dach oder schlecht schließende Fenster ein, saugen sich neue Dämmmaterialien, Gipskartonplatten und Mauerwerk voll. Dies führt zu irreversiblen Schäden und Schimmelbildung, noch bevor das Haus bezogen wird. Zudem dient die fertige Gebäudehülle dazu, im Inneren ein kontrolliertes Klima für Trocknungsprozesse (Estrich, Putz) zu schaffen. Ohne dichte Hülle ist ein effektives Aufheizen oder Entfeuchten technisch nicht möglich, was den gesamten Zeitplan im Winter massiv verzögern kann.
Die Gefahr von Kreuzprozessen
Kreuzprozesse entstehen, wenn zwei Gewerke gleichzeitig im selben Bereich arbeiten oder ein Gewerk die Vorarbeit für ein anderes zerstört. Ein klassisches Beispiel ist der Elektriker, der Schlitze stemmen muss, nachdem der Verputzer die Wände bereits geglättet hat. Dies führt zu doppelten Kosten für das erneute Schließen und Glätten der Wände. Ebenso problematisch ist der Bodenleger, der Parkett verlegt, bevor der Maler die Decken streicht – Farbspritzer und Gerüstfüße beschädigen den neuen Boden. Eine saubere Trennung der Gewerke verhindert gegenseitige Behinderungen und gewährleistet, dass jedes Gewerk eine abnahmefähige Vorleistung vorfindet. Klare Schnittstellenbeschreibungen sind hierfür unerlässlich.
Bauzeitenplan vs. Realität
Ein theoretischer Bauzeitenplan scheitert oft an den realen physikalischen Bedingungen auf der Baustelle. Insbesondere die Trocknungszeiten von Nassgewerken wie Putz und Estrich sind variabel und hängen stark von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Wer hier keine ausreichenden Pufferzeiten einplant, gerät unter Druck. Wenn der Fliesenleger bestellt ist, der Estrich aber noch eine zu hohe Restfeuchte aufweist, entstehen teure Leerlaufzeiten oder – schlimmer – es wird auf zu feuchtem Untergrund gearbeitet. Realistische Zeitpläne berücksichtigen nicht nur die reine Arbeitszeit, sondern auch die technischen Ruhephasen der Materialien sowie Puffer für unvorhersehbare Lieferengpässe oder Wetterbedingungen.
Phase 1: Vorbereitende Arbeiten und Rückbau
Bevor der Aufbau beginnen kann, muss die Baustelle logistisch erschlossen und der Bestand bereinigt werden. Diese Phase ist oft die lauteste und schmutzigste, weshalb sie strikt vor allen feinen Arbeiten liegen muss. Ziel ist es, den Rohbauzustand soweit wiederherzustellen, dass neue Installationen ohne Behinderung erfolgen können. Hierzu zählt auch die rechtliche und technische Absicherung der Baustelle gegenüber Dritten und der Öffentlichkeit.
Baustelleneinrichtung
Die Einrichtung der Baustelle bildet das Fundament für effizientes Arbeiten. Hierzu gehört die Bereitstellung von Baustrom und Bauwasser, da die regulären Hausanschlüsse während der Elektro- und Sanitärsanierung oft abgeschaltet werden müssen. Ein Baustellen-WC ist obligatorisch. Ebenso wichtig ist die Sicherung der Zuwegung für schwere Fahrzeuge und Container. Gehwege müssen eventuell geschützt, Halteverbotszonen bei der Stadt beantragt und Lagerflächen für Baumaterial definiert werden. Eine gut organisierte Baustelleneinrichtung verhindert Chaos und Unfälle und sorgt dafür, dass Handwerker ihre Wegezeiten minimieren können.
Entkernung und Abriss
In dieser Phase werden alle Elemente entfernt, die nicht erhalten bleiben sollen oder den neuen Plänen im Weg stehen. Dazu gehören alte Bodenbeläge, Tapeten, Sanitärobjekte, Türen und Zargen. Nicht tragende Innenwände werden gemäß Grundrissplanung abgebrochen. Es ist essenziell, hier gründlich vorzugehen: Alte Klebereste am Boden oder lose Putzstellen an den Wänden müssen restlos entfernt werden, um tragfähige Untergründe für den Neuaufbau zu schaffen. Der anfallende Bauschutt muss sortenrein getrennt (Holz, mineralischer Bauschutt, Baumischabfall) und fachgerecht entsorgt werden, um die Entsorgungskosten zu kontrollieren.
Schadstoffsanierung
Bei Gebäuden, die vor den 1990er Jahren errichtet wurden, besteht ein erhöhtes Risiko für Schadstoffe wie Asbest (in Klebern, Bodenbelägen, Fassadenplatten), Künstliche Mineralfasern (KMF) oder Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Vor dem maschinellen Schleifen oder großflächigen Abriss sollte eine Beprobung durch Experten erfolgen. Werden Schadstoffe entdeckt, darf die Sanierung nur durch zertifizierte Fachbetriebe unter entsprechenden Schutzvorkehrungen erfolgen. Das einfache Rausreißen kontaminierter Materialien verteilt krebserregende Fasern im ganzen Haus und ist strafbar. Diese Arbeiten haben absolute Priorität vor allen anderen Gewerken.
Statische Eingriffe
Sollen Durchbrüche in tragenden Wänden geschaffen oder Deckenbalken verstärkt werden, geschieht dies unmittelbar nach der Entkernung. Stahlträger werden eingezogen und Lasten umgeleitet. Da diese Arbeiten massive Erschütterungen und Staub verursachen, dürfen noch keine neuen Installationen (Rohre, Kabel) verlegt sein, die beschädigt werden könnten. Die statische Sicherheit muss vollständig gewährleistet sein, bevor der weitere Ausbau erfolgt. Hier ist die enge Abstimmung mit einem Tragwerksplaner zwingend erforderlich.
Phase 2: Die Gebäudehülle – Energie und Schutz
Sobald das Innere entkernt ist, liegt der Fokus auf der energetischen Ertüchtigung und dem Wetterschutz der Außenhülle. Diese Maßnahmen sind oft kostenintensiv, aber entscheidend für die Energieeffizienz und den Werterhalt. Die Reihenfolge hier ist kritisch, um Wärmebrücken – also Bereiche mit hoher Wärmeleitung – zu vermeiden und die Luftdichtheit des Gebäudes sicherzustellen. Fehler in dieser Phase führen oft zu Kondensatbildung und Schimmel.
Dachsanierung und Dämmung
Das Dach ist die größte Verlustfläche für Wärme. Die Sanierung beginnt meist mit der Entfernung der alten Eindeckung, gefolgt von der Überprüfung des Dachstuhls auf Schädlinge oder Feuchtigkeitsschäden. Anschließend erfolgt die Dämmung. Bei einer Aufdachdämmung wird das Dämmmaterial von außen auf die Sparren gelegt, was wärmetechnisch optimal ist. Alternativ oder ergänzend kommt die Zwischensparrendämmung zum Einsatz. Spenglerarbeiten (Dachrinnen, Kamineinfassungen) schließen die Arbeiten ab, bevor die neue Eindeckung erfolgt. Ein dichtes Dach ist Voraussetzung für alle weiteren Dämmmaßnahmen im Innenbereich.
Fenstertausch
Neue Fenster werden idealerweise vor der Fassadendämmung und vor dem Innenputz eingebaut. Der Einbau erfolgt nach RAL-Richtlinien (Stand der Technik für die Montage von Fenstern und Türen), was bedeutet: Innen dichter als außen. Die Fuge zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk muss innen luftdicht und außen schlagregendicht, aber dampfdiffusionsoffen ausgeführt werden. Erfolgt der Fenstertausch erst nach dem Innenputz, wird die luftdichte Ebene oft verletzt. Zudem müssen Fensterlaibungen oft angepasst werden, was bei bereits fertigen Fassaden zu Flickwerk führt.
Fassade und Außendämmung
Nach dem Fenstereinbau folgt die Fassadendämmung, häufig als Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder vorgehängte hinterlüftete Fassade. Wichtig ist hier der saubere Anschluss an die neuen Fensterrahmen. Die Dämmung sollte den Fensterrahmen teilweise überdecken, um die Wärmebrücke im Laibungsbereich zu minimieren. Auch Rollladenkästen müssen in die Dämmebene integriert werden. Erst wenn die Fassade fertiggestellt und das Gerüst abgebaut ist, ist das Haus von außen vollständig gegen Witterung geschützt und optisch fertiggestellt.
Phase 3: Rohinstallation Haustechnik
Das „Nervensystem“ des Hauses wird verlegt. In dieser Phase arbeiten Sanitärinstallateure, Heizungsbauer und Elektriker oft parallel oder kurz nacheinander. Koordination ist hier entscheidend, damit Leitungen sich nicht kreuzen, wo es baulich nicht möglich ist (z. B. Abwasserrohr vs. Lüftungskanal). Da Rohre und Kabel später unter Putz oder im Boden verschwinden, ist eine sorgfältige Dokumentation (Fotos, Pläne) der Leitungswege unerlässlich.
Sanitär-Rohinstallation
Zuerst werden die großen Querschnitte verlegt: Abwasserrohre und Fallstränge. Diese benötigen ein Gefälle und haben daher Vorrang bei der Wegeführung. Anschließend folgen die Wasserleitungen (Warm- und Kaltwasser) zu den Entnahmestellen in Küche und Bad. Unterputz-Spülkästen und Montageelemente für Waschbecken werden an den Wänden fixiert und ausgerichtet. Dichtigkeitsprüfungen sollten durchgeführt werden, solange die Rohre noch sichtbar sind.
Elektro-Rohinstallation
Der Elektriker fräst Schlitze in das Mauerwerk, verlegt Leerrohre oder Leitungen und setzt Unterputzdosen für Schalter und Steckdosen. Die Positionierung erfolgt oft nach dem „Meterriss“, einer Höhenmarkierung, die im gesamten Rohbau angebracht wird und sich auf den späteren Fertigfußboden bezieht. Auch Leitungen für Daten, Netzwerk und Smart-Home-Komponenten werden jetzt gezogen. Wichtig: Kabelwege verlaufen meist senkrecht oder waagerecht in definierten Installationszonen, niemals diagonal (außer im Bodenaufbau).
Heizungsleitungen
Die Anbindung der Heizflächen erfolgt nun. Werden Heizkörper geplant, werden die Zuleitungen vom Heizungsverteiler zu den Nischen verlegt. Die Rohre liegen meist auf dem Rohboden. Sie müssen so befestigt und gedämmt werden, dass sie beim späteren Einbau der Bodendämmung nicht stören. Die Steigleitungen in die oberen Stockwerke nutzen oft vorhandene Schächte oder neu geschaffene Versorgungsschächte.
Lüftungsanlagen
Bei einer kontrollierten Wohnraumlüftung werden jetzt die Luftkanäle verlegt. Flachkanäle können auf dem Rohboden (innerhalb der Dämmebene des Estrichs) oder in abgehängten Decken platziert werden. Zentrale Geräte benötigen Zu- und Abluftleitungen durch die Außenhülle. Diese Durchbrüche müssen thermisch und luftdicht sorgfältig abgedichtet werden. Die Installation erfolgt vor dem Verschließen von Schächten und Deckenabhängungen.
Phase 4: Innenputz und Estrich
Die „Nassphase“ bringt viel Feuchtigkeit in das Gebäude. Putz und Estrich bestehen zu einem großen Teil aus Wasser, das nach dem Einbau langsam wieder abgegeben werden muss. Diese Phase erfordert Geduld und korrektes Lüftungsverhalten, um Bauschäden zu vermeiden.
Innenputz an Wänden
Der Verputzer kommt, nachdem alle Leitungen in den Wänden liegen und die Schlitze grob verschlossen wurden. Der Putz erzeugt die luftdichte Ebene auf dem Mauerwerk und dient als glatter Untergrund für Tapeten oder Farbe. Ein wichtiger Detailpunkt ist der luftdichte Anschluss des Putzes an die Fensterrahmen und Dampfbremsfolien im Dachbereich. Der Putz muss bis zum Rohboden reichen, um Schallbrücken zu vermeiden, darf aber später keinen direkten Kontakt zum Estrich haben (Randdämmstreifen).
Fußbodenheizung
Auf dem Rohboden wird zunächst eine Dämmung (Wärme- und Trittschalldämmung) ausgelegt, die auch die darauf liegenden Rohrleitungen ausgleicht. Darauf wird das System der Fußbodenheizung (Tacker-, Noppen- oder Klemmsystem) verlegt. Die Heizrohre werden in endlosen Schleifen verlegt und am Heizkreisverteiler angeschlossen. Vor dem Einbringen des Estrichs muss die Anlage einer Druckprüfung unterzogen werden, um Dichtheit zu garantieren.
Estricheinbau
Der Estrich umschließt die Heizungsrohre und bildet die Lastverteilungsschicht. Gängig sind Zementestrich (feuchtigkeitsunempfindlich, lange Trocknung) oder Anhydritestrich (schnellere Verarbeitung, feuchtigkeitsempfindlich). An allen Wänden müssen Randdämmstreifen angebracht sein, um den Estrich akustisch von den Wänden zu entkoppeln. Dehnungsfugen müssen in Türdurchgängen und bei großen Flächen gemäß Plan eingehalten werden, um Risse zu verhindern.
Die Trocknungsphase
Dies ist oft der kritischste Zeitfaktor. Estrich muss trocknen, bis die Belegreife erreicht ist. Dies wird durch das „Funktionsheizen“ (Überprüfung der Heizung) und das anschließende „Belegreifheizen“ (Austreiben der Feuchtigkeit) unterstützt. Die Restfeuchte muss vor der Belagsverlegung zwingend durch eine CM-Messung (Calciumcarbid-Methode) geprüft werden. Wird dies ignoriert, lösen sich spätere Bodenbeläge ab oder Parkett quillt auf.
Phase 5: Trockenbau und Dämmung innen
Während der Estrich trocknet (sofern begehbar), kann der Trockenbau fortschreiten. Da Gipskartonplatten empfindlich auf hohe Luftfeuchtigkeit reagieren, sollte die gröbste Feuchtigkeit aus Putz und Estrich bereits entwichen sein oder intensiv gelüftet werden. Trockenbau ermöglicht flexible Raumaufteilungen ohne massiven Gewichteintrag.
Deckenabhängung und Drempel
Metallunterkonstruktionen werden an der Rohdecke oder den Dachsparren befestigt. Hierbei ist auf eine entkoppelte Montage zu achten, um Schallübertragung zu minimieren. In den Hohlräumen können Dämmmaterialien (Mineralwolle) zur Akustikverbesserung eingelegt werden. Anschließend erfolgt die Beplankung mit Gipsplatten. Im Dachgeschoss wird hierbei oft auch die luftdichte Ebene (Dampfbremse) finalisiert und durch die Beplankung geschützt.
Stellen von Leichtbauwänden
Nicht tragende Trennwände werden als Ständerwerk (Metall oder Holz) auf dem Estrich (oder seltener auf dem Rohboden) errichtet. In Feuchträumen kommen imprägnierte Platten (grün) zum Einsatz. Die Hohlräume der Wände bieten Platz für letzte Elektroinstallationen oder Wasserleitungen, die innerhalb der Wand geführt werden müssen.
Verspachteln (Q1 bis Q4)
Die Fugen der Gipskartonplatten und die Schraublöcher werden verspachtelt. Je nach gewünschter Oberflächenqualität unterscheidet man Qualitätsstufen von Q1 (Grundverspachtelung, z. B. unter Fliesen) bis Q4 (Vollflächige Spachtelung für höchste Ansprüche, z. B. Glattvlies oder Lackierung). Diese Arbeit erfordert viel Licht und Präzision, da Unebenheiten nach dem Streichen extrem sichtbar werden.
Phase 6: Der finale Innenausbau
Jetzt erhält das Haus sein „Gesicht“. Die Oberflächen werden fertiggestellt, und die sichtbare Technik wird montiert. In dieser Phase ist Sauberkeit oberstes Gebot, um die fast fertigen Werke nicht zu beschädigen.
Fliesenarbeiten
Fliesenleger beginnen meist in den Bädern und Küchen. Wandfliesen werden auf die abgedichteten Flächen (im Duschbereich) geklebt. Bodenfliesen folgen. Da Fliesenarbeiten Schmutz und Feuchtigkeit (Kleber) mit sich bringen, erfolgen sie vor dem Parkett und den Innentüren, aber idealerweise nach den groben Malerarbeiten an der Decke.
Maler- und Tapezierarbeiten
Die Wände und Decken werden grundiert (Tiefengrund), um die Saugfähigkeit zu regulieren. Anschließend wird tapeziert oder gestrichen. Es ist ratsam, diese Arbeiten vor dem Verlegen empfindlicher Bodenbeläge wie Teppich oder Parkett durchzuführen, um diese nicht abdecken zu müssen oder zu gefährden. Falls der Boden schon liegt, muss er extrem sorgfältig (Malervlies) geschützt werden.
Bodenbeläge
Parkett, Laminat, Vinyl oder Teppichboden werden verlegt. Dies geschieht so spät wie möglich, um Laufwege und Belastungen durch andere Handwerker zu vermeiden. Bei schwimmender Verlegung geht dies schnell, bei verklebtem Parkett sind wiederum Trocknungszeiten des Klebers zu beachten.
Feininstallation
Der letzte Schritt: Elektriker montieren Steckdosenabdeckungen, Schalter und Lampen. Sanitärinstallateure setzen Waschbecken, Armaturen und WCs. Innentüren und Zargen werden eingebaut (sie stehen auf dem fertigen Boden). Fußleisten werden montiert. Nach einer gründlichen Bauendreinigung ist das Haus bezugsfertig.
Unterschiede im Ablauf: Haus vs. Eigentumswohnung
Während man beim Einfamilienhaus weitgehend frei in der Entscheidung ist (sofern Baurecht beachtet wird), unterliegt die Renovierung einer Eigentumswohnung zusätzlichen Regeln. Die Reihenfolge der Arbeiten bleibt technisch gleich, aber die Genehmigungsprozesse und Logistik unterscheiden sich.
Gemeinschaftseigentum beachten
Eingriffe in die Bausubstanz, die das Gemeinschaftseigentum betreffen, bedürfen der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft (WEG). Dazu zählen Fenster, Wohnungseingangstüren, tragende Wände, Balkone und Leitungen in den Versorgungsschächten. Diese Genehmigungen müssen vor Baubeginn vorliegen, was die Planungsphase deutlich verlängern kann. Ein eigenmächtiger Fenstertausch kann zum Rückbau führen.
Logistik
Der Transport von Baumaterial und Schutt in obere Stockwerke ist eine logistische Herausforderung. Container dürfen oft nicht einfach auf der Straße stehen. Der Aufzug darf meist nicht für Bauschutt genutzt werden (Gefahr der Beschädigung/Überlastung). Oft ist ein Außenaufzug nötig. Die Ruhezeiten im Haus müssen strikt eingehalten werden, um Konflikte mit Nachbarn zu vermeiden.
Typische Zeitfresser und wie man sie vermeidet
Auch bei bester Planung gibt es Faktoren, die den Ablauf stören. Wer diese kennt, kann gegensteuern.
Lieferzeiten
Materialien wie spezielle Fliesen, maßgefertigte Fenster oder Wärmepumpen haben oft Lieferzeiten von mehreren Wochen oder Monaten. Diese müssen so bestellt werden, dass sie pünktlich zur jeweiligen Phase auf der Baustelle sind. Eine zu späte Bestellung stoppt nicht nur ein Gewerk, sondern die gesamte Kette.
Unentdeckte Mängel
Beim Öffnen von Wänden oder Böden im Altbau treten oft Überraschungen auf: morsche Holzbalken, Feuchtigkeitsschäden oder statische Probleme. Solche Funde erfordern sofortigen Baustopp im betroffenen Bereich und eine Neubewertung der Maßnahmen. Ein finanzieller und zeitlicher Puffer von ca. 20 % ist bei Altbausanierungen daher unverzichtbar.
Zusammenfassung
Die Renovierung eines Hauses folgt einer zwingenden technischen Logik, die nicht beliebig veränderbar ist. Der Weg führt von der Entkernung und statischen Sicherung über die Abdichtung der Gebäudehülle (Dach, Fenster, Fassade) hin zur Installation der Haustechnik. Erst wenn die „Nassphasen“ (Putz, Estrich) abgeschlossen und getrocknet sind, können Trockenbau und finaler Innenausbau erfolgreich durchgeführt werden. Wer diese Reihenfolge missachtet, riskiert Bauschäden, Schimmel und unnötige Kosten durch Doppelarbeit. Eine detaillierte Planung, die Pufferzeiten für Trocknung und Lieferung berücksichtigt, ist der Schlüssel zum stressfreien Umbau.
Planen Sie Ihre Renovierungsschritte jetzt sorgfältig durch und stimmen Sie die Termine mit Ihren Handwerkern frühzeitig ab, um Leerlauf zu vermeiden.
Quellen
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB)
- Verband Privater Bauherren e.V. (VPB)
- Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt)
- KfW Bankengruppe (Förderstandards Sanierung)
Häufig gestelle Fragen (FAQ)
Haus renovieren: Wo anfangen, wenn das Budget knapp ist?
Beginnen Sie immer mit der Substanzsicherung (Dach, Wasser, Elektrik). Optische Renovierungen (neue Böden, teure Tapeten) sollten erst erfolgen, wenn die technische Basis („Haus renovieren Schritte“ 1–3) abgeschlossen und trocken ist, um Folgeschäden zu vermeiden.
Wie fange ich beim Haus renovieren an?
Beginnen Sie mit einer umfassenden Bestandsaufnahme und lassen Sie einen Sachverständigen die Bausubstanz sowie Dach, Fenster und Installationen untersuchen. Er erstellt eine Mängelliste, anhand derer Sie die Arbeiten priorisieren.
Welche Arbeiten kann ich selbst durchführen?
Eigenleistungen sind bei Demontage, Maler‑ und Bodenlegearbeiten möglich. Komplexe Gewerke wie Elektrik, Heizung, Sanitär, Dach und Fassade sollten aus Sicherheits‑ und Haftungsgründen Fachbetrieben überlassen werden.
Wie unterscheidet man Renovierung, Sanierung und Modernisierung?
Renovierungen verschönern Oberflächen und können meist ohne Genehmigung durchgeführt werden. Modernisierungen verbessern Energieeffizienz und Komfort, beispielsweise durch neue Fenster oder Heizsysteme. Sanierungen beheben gravierende Schäden an Dach, Wänden oder Technik.
Welche Dämmung ist am effektivsten?
Aufsparrendämmung erzielt den besten Wärmeschutz, verursacht aber die höchsten Kosten (130–200 €/m²). Zwischensparrendämmung (70–120 €/m²) ist ein guter Kompromiss. Welche Methode geeignet ist, hängt von der Dachkonstruktion, dem Budget und den Denkmalschutzanforderungen ab.


